Die auf den Erben ent­spre­chend sei­ner Erb­quo­te ent­fal­len­den Abschluss­zah­lun­gen für die vom Erb­las­ser her­rüh­ren­de Ein­kom­men­steu­er des Todes­jah­res, ein­schließ­lich Kir­chen­steu­er und Soli­da­ri­täts­zu­schlag, sind als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten gemäß § 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG abzugs­fä­hig (Ände­rung der Rechtsprechung).

Bei einer Zusam­men­ver­an­la­gung von im sel­ben Jahr ver­stor­be­nen Ehe­gat­ten sind Abschluss­zah­lun­gen für das Todes­jahr ana­log § 270 AO auf­zu­tei­len und als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten beim jewei­li­gen Erwerb von Todes wegen abzugsfähig.

Der BFH hat sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung geän­dert und Ein­kom­men­steu­er­schul­den, die aus dem Todes­jahr stam­men, als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten im Rah­men der Erb­schaft­steu­er­erklä­rung zum Abzug zuge­las­sen. Zur Begrün­dung führt der BFH aus:

Gemäß § 10 Abs. 5 Nr. 1 ErbStG sind von dem Erwerb des Erben die vom Erb­las­ser her­rüh­ren­den Schul­den, soweit sie nicht mit einem zum Erwerb gehö­ren­den Gewer­be­be­trieb oder Anteil an einem Gewer­be­be­trieb in wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang ste­hen und bereits nach § 12 Abs. 5 und 6 ErbStG berück­sich­tigt wor­den sind, als Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten abzugs­fä­hig. Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten in die­sem Sin­ne sind auch die vom Erb­las­ser her­rüh­ren­den per­sön­li­chen Steu­er­schul­den, die gemäß § 1922 Abs. 1 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs (BGB), § 45 Abs. 1 der Abga­ben­ord­nung (AO) auf den Erben über­ge­gan­gen sind (stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH-Urteil vom 17. Febru­ar 2010 II R 23/09, BFHE 229, 363, BStBl II 2010, 641, m.w.N.).

Nach § 1922 Abs. 1 BGB geht mit dem Tod einer Per­son (Erb­fall) deren Ver­mö­gen als Gan­zes auf den oder die Erben über. Gemäß § 1967 BGB haf­ten die Erben für die Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten. Das hier­in für den Erb­fall sta­tu­ier­te Prin­zip der Gesamt­rechts­nach­fol­ge beschränkt sich nicht auf den Bereich des Zivil­rechts, son­dern erstreckt sich auch auf das Steu­er­recht (vgl. Beschluss des Gro­ßen Senats des BFH vom 17. Dezem­ber 2007 GrS 2/04, BFHE 220, 129, BStBl II 2008, 608, unter D.I.). So ord­net § 45 Abs. 1 Satz 1 AO an, dass bei der Gesamt­rechts­nach­fol­ge “die For­de­run­gen und Schul­den aus dem Steu­er­schuld­ver­hält­nis auf den Rechts­nach­fol­ger über(gehen)”. Unge­ach­tet des restrik­tiv gehal­te­nen Wort­lauts des § 45 Abs. 1 Satz 1 AO lei­tet der BFH in stän­di­ger Recht­spre­chung aus die­ser Bestim­mung her, dass der Erbe als Gesamt­rechts­nach­fol­ger grund­sätz­lich in einem umfas­sen­den Sin­ne sowohl in mate­ri­el­ler als auch in ver­fah­rens­recht­li­cher Hin­sicht in die abga­ben­recht­li­che Stel­lung des Erb­las­sers ein­tritt (vgl. BFH-Beschluss in BFHE 220, 129, BStBl II 2008, 608, unter D.I.1., m.w.N.).

Aus dem Begriff “her­rüh­ren” ergibt sich, dass die Ver­bind­lich­kei­ten zum Zeit­punkt des Erb­falls noch nicht voll wirk­sam ent­stan­den sein müs­sen. Zivil­recht­lich gehen mit dem Erb­fall auch “ver­hal­te­ne”, noch wer­den­de und schwe­ben­de Rechts­be­zie­hun­gen des Erb­las­sers auf den Erben über (stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs –BGH– vom 7. Juni 1991 V ZR 214/89, Neue Juris­ti­sche Wochen­schrift –NJW– 1991, 2558, m.w.N.). Des­halb sind Erb­las­ser­schul­den i.S. des § 1967 Abs. 2 BGB auch die erst in der Per­son des Erben ent­ste­hen­den Ver­bind­lich­kei­ten, die als sol­che schon dem Erb­las­ser ent­stan­den wären, wenn er nicht vor Ein­tritt der zu ihrer Ent­ste­hung nöti­gen wei­te­ren Vor­aus­set­zung ver­stor­ben wäre (vgl. BGH-Urteil in NJW 1991, 2558).

Die­se aus dem Zivil­recht stam­men­den Grund­sät­ze hat der BFH auch auf das Erbrecht über­tra­gen, da bereits zum Zeit­punkt der Steu­er­ent­ste­hung, also beim Tod des Erblas­ses fest­steht, dass die Belas­tung kraft Geset­zes mit Ablauf des Todes­jah­res ein­tre­ten wird.

Bei einer Zusam­men­ver­an­la­gung ist für die Ermitt­lung der abzugs­fä­hi­gen Nach­lass­ver­bind­lich­keit die sich erge­ben­de Steu­er­schuld aufzuteilen.

Quel­le: Urteil des BFH vom 04.07.2012, Az. II R 15/11